13 Siege

Frank Hördler im Interview

Frank-Hoerdler

Lieber Frank, du hast dich Ende Januar dazu entschieden, nach mehr als einem Jahrzehnt aus der deutschen Nationalmannschaft zurückzutreten, um Platz für junge Spieler zu machen. Wie geht es dir heute mit dieser Entscheidung?

Mir geht es sehr gut, ich bin ehrlich gesagt erleichtert. Es war ein sehr langwieriger Entscheidungsprozess. Ich war hin- und hergerissen, bin mir aber sicher, dass es der richtige Schritt war. Ich freue mich auf die nächste Generation in der Nationalmannschaft.

 

Rückblickend betrachtet: Welcher war dein emotionalster Moment in der Nationalmannschaft?

Die Silbermedaille in Pyeongchang bei den Olympischen Spielen im Februar 2018. Ohne Zweifel.

Und was war die schlimmste Niederlage?

Das ist schon eine Weile her. Bei der Weltmeisterschaft 2009 in Bern ging es gegen Frankreich um alles. Wir verloren und sind dadurch sportlich abgestiegen. Das war ein sehr unangenehmes und miserables Gefühl. Zum Glück sind wir damals nicht wirklich abgestiegen, weil die WM danach zu Hause stattfand.

13 Jahre hast du das Trikot deutschen Nationalmannschaft getragen. Kannst du dich noch an dein erstes Spiel und dein erstes Tor für die Nationalmannschaft erinnern?

Da tu ich mir ehrlich gesagt schwer. Ich kann mich aber an meine erste WM 2006 erinnern. Die war in Amiens (Frankreich). Ich war mit Buschi auf einem Zimmer und wir beide hatten das Glück, mit der Nationalmannschaft um den Aufstieg zu spielen und diesen auch letztlich zu sichern. Daran kann ich mich noch sehr gut erinnern.

Wer war dein größter Förderer im Nationalteam?

Ich denke, da muss ich mich für denjenigen entscheiden, der mir damals die Möglichkeit gegeben hat, mich in der Nationalmannschaft zu beweisen: Greg Poss.

(Anm. der Red.: Greg Poss war in der Saison 2004/05 Nationaltrainer)

Während der Lehrgänge und internationalen Turnieren verbringt man viel Zeit mit Spielern anderer Vereine. Mit wem hast du auf deinen Nationalmannschaftsreisen das Zimmer am liebsten geteilt und warum?

André Rankel. Wir kennen uns durch unsere gemeinsame Eisbärenzeit natürlich schon sehr lange und ticken auch gleich. Das hat immer gut gepasst.

Bei über 60 Spielen in einer Saison bleibt wenig Zeit für sich selbst. Wie schwer war/ist der Spagat zwischen Nationalmannschaft, Liga-Alltag und Familie?

Das ist ziemlich einfach erklärt. Solange man im Profibereich spielt, muss die Familie oft zurückstecken. Jetzt fällt aber ein Teil weg und es ist ein bisschen mehr Zeit für die Familie da.

Wie wichtig ist die Familie beim Ausüben des Sports?

Sie ist das Wichtigste. Man kann den Wert gar nicht beschreiben. Sie hält dir den Rücken frei, stärkt dir den Rücken und gibt dir die Möglichkeit, den Sport überhaupt auszuüben.

Dein ältester Sohn Eric spielt bei der U17 der Eisbären Juniors Berlin und du wirst zukünftig vielleicht wieder mehr Zeit haben, um ihn auf dem Eis zu unterstützen. Wie sehr hilft oder hemmt es deiner Meinung nach, wenn der Vater ein so erfolgreicher Eishockey-Spieler mit großer internationaler Erfahrung ist?

Für manche ist der Vater ein Idol, für andere ist es schwierig, weil sie immer an ihm gemessen werden. Es ist schwierig, die Balance zu finden. Die Kinder sollten nicht anhand ihres Vaters gemessen werden und müssen auch nicht in ihre Fußstapfen treten.

Wie war das in deiner Jugend, dein Vater war auch ein erfolgreicher Eishockeyspieler und spielte sogar für die DDR-Nationalmannschaft?

Ganz ehrlich? Mir war das damals vollkommen egal, was andere Menschen gesagt haben. Eigentlich hat nur das Wort von meinem Vater gezählt. Ich habe ihm immer nachgeeifert. Ich bin da ein schlechtes Beispiel für meine Jungs, aber die Zeiten haben sich auch verändert.

Was empfiehlst du jungen Spielern, die die Nationalmannschaft als gesetztes Ziel haben?

Sie sollten es als Ehre ansehen, Spaß haben und es genießen. Nur dadurch wirst du die Schritte weitergehen und dich darauf freuen, wenn du an einer WM oder an Olympischen Spielen teilnehmen darfst.

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